Obituary of Em. o.Univ.-Prof. Dr. Rudolf Haller 1929 – 2014

Obituary by Friedrich Stadler (Professor for the History of Science and the Phlosophy of Science, chairman of the Institute Vienna Circle, University oif Vienna and member of the executive committee of the ALWS)

Prof. Rudolf Haller (1929-2014)

Am 14.2.2014 verstarb in seiner Heimatstadt Graz der renommierte der österreichische Philosoph em.Univ.Prof. Rudolf Haller nach langer schwerer Krankheit im 85. Lebensjahr.

Haller wurde 1929 in St. Gallen geboren, studierte Philosophie, Soziologie, Geschichte und Kunstgeschichte in Graz und ging nach Abschluss seines Studiums als Postdoc nach Oxford. Im Jahre 1961 habilitierte er sich für Philosophie an der Universität Graz und lehrte danach auch in München und Hannover. Im Jahre 1967 wurde er zum Ordinarius für Philosophische Grundlagenforschung berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1997 in Lehre und Forschung mit den Schwerpunkten analytische Philosophie, österreichische Philosophie, speziell über Bolzano, Brentano, Mach, Meinong, Wiener Kreis, Wittgenstein und Popper wirkte. Daneben hat er 1983 mit Hilfe des Wissenschaftsministeriums (durch Norbert Rozsenich) die außeruniversitäre „Dokumentations- und Forschungsstelle für österreichische Philosophie“ aufgebaut und bis zu seiner Pensionierung geleitet, das zum wichtigsten Zentrum für die Erforschung der Philosophie in Österreich wurde. Zusammen mit Adolf Hübner, Elisabeth und Werner Leinfellner, Paul Weingartner zählte er seit der Gründung 1976 zu den Pionieren der „Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft“, die bis heute jährlich die Internationalen Wittgenstein Kongresse in Kirchberg/Wechsel ausrichtet. Damit, und mit seinen zahlreichen Einladungen renommierter ausländischer PhilosophInnen nach Graz, hat er zur frühen Internationalisierung und Öffnung der Philosophie beigetragen, die lange Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein provinzielles Schattendasein fristete. In diesem Sinne hat er auch zusammen mit dem Verfasser wesentlich bei der Gründung und wissenschaftlichen Profilierung sowie als langjähriger Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates des Instituts Wiener Kreis mitgewirkt, das sich inzwischen zu einem international angesehenen Institut an der Fakultät für Philosophie der Universität Wien entwickelt hat. Wichtige Impulse gehen bis heute zudem von der von ihm 1975 gegründeten Zeitschrift „Grazer Philosophische Studien. Internationale Zeitschrift für analytische Philosophie“ aus, sowie von der von ihm lange herausgegebenen Buchreihe „Studien zur österreichischen Philosophie“. Dort erschienen auch seine „Studien zur österreichischen Philosophie“ als Band 1 und als Band 10 seine „Fragen zu Wittgenstein und Aufsätze zur österreichischen Philosophie“ (1986). 1993 veröffentlichte er sein Buch „Neopositivismus“ und zuletzt engagierte er sich im Grazer Moderne-Projekt, z.B. mit der Herausgabe des Sammelbandes „Nach Kakanien. Annäherung an die Moderne“ (1996).

Ein besonderer Beitrag war die Mitarbeit an der Gesamtausgabe von Alexius Meinong, die Herausgabe der gesammelten Schriften Otto Neuraths und der Veröffentlichungen der Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft. Seine Verdienste um die philosophische Forschung und Wissenschaftsphilosophie werden überdauern, speziell seine Arbeiten zu Wittgenstein, zum Wiener Kreis und zur Entwicklung einer typisch österreichischen Philosophie seit dem 19. Jhdt. (mit der Merkmalen von Sprachkritik, symbolischer Logik, und empiristischer Ausrichtung) im Gegensatz zur deutschen Philosophie dialektischer oder transzendentaler Natur („Neurath-Haller-These“). Zwei Festschriften, zahlreiche Gastprofessuren und Auszeichnung sind Zeichen dieser großen internationalen Karriere eines herausragenden Philosophen und Menschen, der durch seine einzigartige Fachkenntnis, Offenheit, Kreativität und Menschlichkeit einen unersetzbareren Vertreter der intellektuellen Öffentlichkeit und Wissenschaft in und außerhalb Österreichs darstellte. Er wird diesem Lande und der Scientific Community fehlen. Rudolf Haller hinterlässt seine Frau Ingeborg und seinen Sohn Gregor.

Homepage: http://www.uni-graz.at/rudolf.haller



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Book of Condolences

Sie werden in meinen Gedanken immer weiterleben.  Mit groesstem Respekt, K.L.

Klaus Ladstaetter on 2014/06/30

I was deeply touched by the news of Rudolph Haller’s death. I got to know Haller from the Wittgenstein days in Kirchberg and then later when he visited California. We kept in touch for several years. I remember him well and will keep his memory.

Michael V Wedin on 2014/05/31

The Prof. Rudolf Haller’s ideas on Wittgenstein was very useful and important in my research on the later Wittgenstein.

My sincere condolences to the family and to the Wittgenstein Austrian Society.

Best wishes,

Mauro Condé
Universidade Federal de Minas Gerais - Brazil

Mauro Condé on 2014/04/14

It was with great sadness that I learned of Prof. Haller’s death. My husband, Fred Schmitt, and I enjoyed so much our time with him, his wife and his son back in 1985 at Stanford. In addition to being a first-rate scholar, he had a warm heart and was delightful company. My heartfelt condolences to his family.

Marcia

Marcia Baron on 2014/03/20

I met Rudolf Haller for the first time in 1990 and since then I had the pleasure of having his friendship. He was of great importance to my intellectual development and for the studies on Wittgenstein’s work and Austrian philosophy in my country, Brazil. I am very grateful for all help I received from him. I will miss his friendship and always will remember him as one of the most gentle and generous person I ever met. I express also here my condolences to Ingeborg, his widow, and Gregor, his son.
Prof. Dr. Norberto Abreu e Silva Neto
University of São Paulo and University of Brasília

Norberto Abreu e Silva Neto on 2014/02/25

Ein guter alter und immer so lebenslustiger Freund ist von uns gegangen. Ich erinnere mich traurig an viele Treffen in Graz und anderswo - auch manchmal in Austrias Hauptstadt und z.B. Ski laufend in den Bergen - sowie im Institut international de philosophie. Auch im Namen des letzteren sende ich als Ex-Präsident persönliche und kollegiale Trauergrüße. Wie werden Rudolf nicht vergessen!
Hans Lenk

Prof. Dr. Dr. h.c. mult Hans Lenk on 2014/02/24